Erfahrungsbericht Auswandern

Im Jahr 2000 sind wir nach Neuseeland ausgewandert. Einen Erfahrungsbericht über die ersten drei Jahre mit Beschreibungen zu Land und Leuten, den Kiwis, ist exklusiv verfügbar bei Amazon.de unter:

„Weiter weg geht’s wohl nicht?!“

Leben am schönsten Ende der Welt

Aoteraoa – Neuseeland

http://www.amazon.de/WEITER-GEHTS-NICHT-sch%C3%B6nsten-ebook/dp/B0078FCGTS/ref=tmm_kin_title_0?ie=UTF8&qid=1343604587&sr=8-1
Kindle-E-Book  €9,51

Taschenbuch €14,98.

ISBN-10: 1481155695  /  ISBN-13: 978-1481155694   /   ASIN: B0078FCGTS

Kurzbeschreibung

23. Dezember 2012
Viele träumen davon, nur wenige tun es wirklich. Ein neues Leben wagen. Ohne Netz und Boden, an das schönste Ende der Welt – Neuseeland auswandern! Anekdoten einer deutschen Familie erzählen in dem Buch über Land und Leute in Aotearoa. Ein Ehepaar wagt mit seinen beiden Töchtern den Schritt, alle Zelte in der alten Heimat abzubrechen und ein neues Leben in einem unbekannten Land zu beginnen. Nicht alle Träume können verwirklicht werden, aber die Integration in die Gesellschaft der Kiwis gelingt überraschend gut. Erfahrungen aus dem ‚neuen’ Alltag und der Umgang mit neu gewonnenen Freunden eröffnen tiefe Einblicke in diese kleine faszinierende Nation, die in so vielem bemerkenswerte Unterschiede zu europäischer oder amerikanischer Kultur aufweist.

Wer sich fürs Auswandern interessiert, vielleicht für immer Neuseeland im Auge hat, oder eine Gebrauchsanweisung sucht, wie es sich lebt unter Neuseeländern, dem mag dieses Buch eine erste Orientierung geben. Nur, Schafe scheren lernen, muss jeder selber.

Rezensionen und Probeartikel gibt es bei Amazon.de, sowie zwei Auszüge aus dem Buch hier:

Seite 229ff

"Gut, dass die Kiwis so viel Zeit haben und nichts über-stürzen müssen. In politischen Umfragen bestätigt die große Mehr­heit der Kiwis immer wieder, dass ihnen der Lifestyle wichti­ger als Geldverdienen oder materieller Wohlstand ist.

Was die Nation durchweg für eine ganze Woche in Atem halten kann, ist zum Beispiel:

wenn ein Schaf geschoren wird! 

Man sollte nicht glauben, dass solch ein aufregendes Ereig­nis die aktuellen Kriegsmeldungen in der Welt vollkommen in den Hintergrund treten lässt. Und, Nachrichtensender wie CNN in den USA und BBC in England zeigten am Ende die Schur in den Hauptnachrichten.

Im Herbst war eine Schafshirtin in der einsamen Bergwelt ei­ner großen Station in Otago unterwegs. Die Frau kletterte und wanderte in der Wildnis auf der Suche nach verspreng­ten Merinoschafen, die sie ins Tal zur Musterung und zum Scheren treiben sollte. In der Ferne sah sie ein Wollknäuel, das sofort zwischen ein paar Felsen verschwand, sobald es den vermeintlichen Feind erblickte. Die Treiberin folgte dem Schaf und fand es in einer kleinen Höhle versteckt. Zunächst konnte sie vor lauter Wolle gar nicht erkennen, ob sie das Vorder- oder das Hinterteil des Schafes vor sich hatte. Das Schaf konnte vor lauter Wolle fast nichts mehr sehen und sich kaum noch bewegen. An einer Ohrmarkierung konnte die Frau erkennen, dass sich das Schaf seit sechs Jahren er­folgreich vor dem Scheren gedrückt hatte.

Das Schaf den weiten Weg ins Tal zu bringen, war gar nicht so einfach. Irgendwie schaffte sie es und ein starker, junger und gut aussehender Schafscherer half dem Schaf auf dem letzten Stück, in dem er es auf seine Schultern wuchtete und zur Scheune trug. Ein zufällig anwesender Reporter machte ein Foto, das auch prompt in einigen Zeitungen an unbedeu­tender Stelle abgedruckt wurde. Die Meldung wies auf das ungewöhnlich lange Wollfell von Shrek hin, das dem Farmer sicherlich einen besonders guten Zusatzerlös bringen würde. Und Shrek sah aus wie ein Ungeheuer von einem anderen Stern.

Die Tatsache, dass jemand dem Schaf den Namen ‚Shrek’ gegeben hatte, machte den Unterschied. Derart personalisiert war Shrek plötzlich in aller Munde.  „Hast du Shrek in der Zeitung gesehen? Das arme Schaf kann ja kaum noch aus den Augen gucken. Und laufen kann es angeblich auch fast nicht mehr.“

Die Sechs Uhr Abendnachrichten brachten am darauf folgen­den Tag eine kleine Meldung ganz am Schluss nach den Wettermeldungen und die Nachrichtensprecherin gab ihr Mitleid für Shrek zum Besten und erwähnte, dass der Farmer den Verkaufserlös einer gemeinnützigen Stiftung spenden wollte.

Daraufhin schaltete sich das Nachrichtenmagazin Holmes ein, das im Anschluss an die Nachrichten jeden Tag ausge­strahlt wird. Paul Holmes, der Moderator der Sendung, ent­schloss sich, zur Schur von Shrek nach Otago zu fahren und seine halbstündige Sendung dorthin live zu verlegen. Alle Zeitungen informierten – inzwischen auf ihren Titelseiten – über den Fortgang der Dinge und die geplante Live-Schur.

Dank der großen Bekanntheit von Shrek wurde die Schur in eine große Veranstaltungshalle mit viel Publikum verlegt. Paul Holmes hatte den Weltmeister im Schafe Scheren ver­pflichtet, Shrek von seinem Vlies zu befreien. Es wurden In­terviews mit dem Farmer geführt. Mit dem gut aussehenden Burschen, der als erstes mit Shrek auf den Schultern fotogra­fiert worden war und sich als waschechter Kiwi-Bloke ent­puppte, wie ihn die Kiwis so richtig lieben. Mit dem Leiter der wohltätigen Organisation, die das Fell später in kleinen Teilen versteigern würde. Mit einer Bekleidungsfirma, die spontan ein Schutzmäntelchen für Shrek gefertigt hatte, da­mit Shrek nach dem Scheren nicht frieren muss.  Mit der Frau, die Shrek gefunden hatte, war Paul Holmes am Nach­mittag mit einem Hubschrauber in die Berge geflogen, um die Höhle zu besuchen, in der sich Shrek versteckt hatte. 

Die große Überraschung war Shrek selbst. Die Schafe, die sich ihr ganzes Leben in der Bergwildnis aufhalten und nur einmal im Jahr zum Impfen und Scheren zusammen getrie­ben werden, ansonsten aber ohne Kontakt zu Menschen auskommen, sind extrem menschenscheu und geraten im Umgang mit Menschen oft regelrecht in Panik. Auch Shrek wollte zunächst abhauen, so wie er es die sechs Jahre ge­schafft hatte, sich zu verstecken. Nachdem er gefasst war, änderte er sein Verhalten völlig. Aufmerksam verfolgte er das Treiben um ihn herum, lief dem Farmer und seinen Ge­hilfen wie ein Hund hinterher und verhielt sich zum Vergnü­gen der Zuschauer wie ein Star. Tapfer ließ er die Schur über sich ergehen. Beinahe dreißig Kilogramm brachte sein Vlies auf die Waage. Stolz trug er anschließend sein Mäntelchen zur Schau und tat so, als wäre er schon immer ein zahmes Haus­schaf gewesen.

Eine Million Menschen hatten in Neuseeland live mitverfolgt, wie Shrek geschoren wurde, jeder vierte Kiwi. Das sind mehr Zuschauer, als bei einem Rugbyendspiel. BBC, CNN und viele andere Sender strahlten am nächsten Tag Zu­sammenfassungen der Sendung aus.

Eine Marktforschungsfirma errechnete schnell, dass die welt­weite Bekanntheit Shreks einen Wert von mehreren  zehn Millionen Dollar Werbeaufwand erreicht hatte und die ‚Neu­seeland Merino Gesellschaft’, die im Auftrag der Schafs­züchter Merinowolle verkauft und bewirbt, machte ihn zu seinem Maskottchen. Shrek wurde – immer noch in seinem Mäntelchen – für weitere Werbeaufnahmen nach Wellington gebracht und die Premierministerin Helen Clark unterbrach ein Mittagessen mit dem Chilenischen Außenminister, um Shrek kurz vor dem Parlament zu begrüßen.

Ein Schaf, das sich vor dem Scheren gedrückt hat, abgehärte­te Farmer und Schafscherer, die wilden Hochebenen Neusee­lands und ein unglaublicher Wirbel in der Presse: das sind Klischees, mit denen man sich gerne identifiziert, Erfolgs­meldungen die man gerne hört; und schon fühlt man sich wie eine Nation."

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Seite 123ff

"Rugby war doch nicht anders als Fußball. Für mich jeden­falls. ‚Fußball ist Frauensport!’ so wurde ich aufgeklärt. ‚Rugby ist Männerwelt’.

Nun ja. Es wird vielleicht mehr geboten als im Fußball. Ver­wechseln darf man das nicht mit American Rugby, wo die Spieler wie Ritter mit Helmen und Schutzkleidung um ‚In­ches’ (praktisch Zentimeter) kämpfen. Bei dem richtigen Rugby gibt es keine Schutzkleidung und das Spiel ist sehr schnell, vor allem im Vergleich zu Fußball.

Ich taufte das Spiel ziemlich bald um in: ‚Wo kommt das Ei raus?’

Die Spieler stellen sich an der Mittellinie auf und bilden ein gebücktes und verknäultes Gewurschtel (offiziell ‚Gedränge’ genannt), in dem sich jeder mit seinem Nachbarn verhakt. Kopf an Kopf mit dem gegnerischen Team. Der Schiedsrich­ter wirft den ovalen Ball in die Mitte beider Mannschaften und diese prallen daraufhin zusammen, wie wenn man einen Reißverschluss schnell zuzieht. Aus zwei Knäueln wird ein undurchdringliches Großknäuel. Ein Ruck nach unten und die gesamte Masse liegt auf dem Ball.

Die Zuschauer jubeln und schreien. Warum ist nicht ganz er­sichtlich. Man sieht ja gar nichts. Zumindest nichts vom Ball. Plötzlich macht es „Pfop“ und der Ball hüpft irgendwo total unvorhergesehen aus der Körpermasse von weiß-nicht-wie-vielen Spielern heraus. Wie ein Huhn, das ein Ei legt. Bei einem Huhn hätte man wenigstens vorher eine ungefähre Ahnung wo. Irgendjemand schnappt sich den Ball – wo stand der Typ eigentlich vorher? - und rennt wie von einer Wespe gestochen davon – in der Regel weiß er in welche Richtung. Daraufhin löst sich das Knäuel und alle laufen dem Ball und dem Typen hinterher. Muss wohl ein großer Wespenschwarm gewesen sein, der da rein gestochen hat.

Gelingt es dem gesamten Schwarm nicht, den Typen zu stop­pen, legt dieser einen sauberen ‚Touch-Down’, einen „Try“ hin, soll heißen: kurz vor der Markierung des Spielfeldendes hechtet er heldenhaft in die Luft und - mit einem vor An­strengung verzerrtem Gesicht – landet er mit dem Ball auf dem Bauch hinter der Endlinie nicht ohne doch noch beinahe von Gegenspielern gestoppt oder umdirigiert zu werden. Punkt! Wahnsinn!

Manchmal, oder eigentlich meistens, gelingt es der sich auf­gelösten Masse von Spielern den Davon-Läufer zu stoppen und das gleiche Spiel beginnt von vorne. Und oft – leider – wird das Spiel abgepfiffen. „Warum?“ wollte ich wissen. „Ruhe, und schau zu!“ wurde ich angewiesen. „Warum?“ wollte ich wissen und fragte Lydia, die sich gehörig lang­weilte, nachdem sie ihre Kinder zu Bett gebracht hatte. „Ach, die wissen das auch nicht. Die Regeln werden dauernd geän­dert. Da blickt sowieso keiner durch. Die Jungs können dir das sowieso nicht erklären. Aber versuche nicht mit denen zu sprechen. Außer zuschauen und Bier trinken, bringen die heute nichts mehr zustande.“

Ich unterhielt mich noch eine Weile mit Lydia bis das Spiel zu Ende war – ich glaube Neuseeland hatte an diesem Tag gegen Australien verloren, war aber kein sehr wichtiges Match – und ging dann heim.

„Wie war’s?“ wollte Michaela wissen als ich spät nach Hau­se kam. „Och, die rennen nur ‚nem Ball hinterher. Wie beim Fußball. Nur verhauen dürfen sie sich dabei. Das ist viel lus­tiger!“